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Das System der Bienen

Sechs Unterfamilien

Das nachfolgende System der in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorkommenden Bienen basiert in Bezug auf die Unterscheidung von 6 Unterfamilien auf dem im Jahre 2000 erschienenen Werk von C.D. Michener, The Bees of the World ( 913 S., The Johns Hopkins University Press). Bei den Gattungen weicht es jedoch von Michener ab und entspricht in diesem Punkt der Klassifikation, die in dem Verzeichnis der Bienen Deutschlands (Westrich & Dathe 1997) verwendet und dort begründet wurde:

Gattungen sind keine natürlichen Einheiten

Anders als bei Arten ist der Status einer Gattung nicht streng objektivierbar, und tatsächlich erwiesen sich die Auffassungen über Gattungsgrenzen bereits in der Vergangenheit oftmals als nicht zu harmonisieren, weil sie überwiegend vom Standpunkt des Bearbeiters bestimmt sind, der oft nur auf einem Teilgebiet (eine bis mehrere Gattungen) tätig ist. In dem aktualisierten Verzeichnis der Bienen Deutschlands haben Dathe und ich ein von Schwarz et. al (1996, Katalog der Bienen Österreichs, Deutschlands und der Schweiz, Entomofauna, Supplement 8) teilweise abweichendes Konzept verfolgt, das sich stärker an der praktischen Handhabbarkeit orientiert, ohne die biologischen Gegebenheiten zu ignorieren und den Blick auf die globale Situation der betreffenden Taxa - soweit erschlossen - zu vernachlässigen. Natürlich dürfen dem keine gesicherten Erkenntnisse über phylogenetische Verwandtschaftsbeziehungen entgegenstehen. Handhabbar in diesem Sinne und noch am ehesten konsensfähig sind die klassischen Großgattungen, die man zum Beispiel auch in einer fremden Fauna sofort ansprechen kann, ohne erst spezielle Schlüssel heranziehen zu müssen.

Michener, Bees of the World, Umschlag 1Michener, Bees of the World, Umschlag 2

Umschlag des Bienenwerks von Michener

Michener et al. (1994: 2, The Bee Genera of North and Central America) äußern sich zu diesem Problem in folgender Weise:

»... a moderate number of large, readily distinguishable genera is preferable to a large number of small genera. Thus genera like Culex, Aedes, Drosophila and Andrena mean something to many biologists. Each such genus could be split merely by raising subgenera to generic status, but usefulness to a broad audience argues against that action.«

Leider ist Michener in "The Bees of the World" von dieser Auffassung abgewichen und hat sich, wie es scheint, stärker an seinen Schülern orientiert. Wenn dieses Werk, das ein Meilenstein in der Geschichte der weltweiten Bienenkunde darstellt und zweifellos von der einzigartigen Kenntnis seines Verfassers über Bienen zeugt, wie eine "Bibel" betrachtet wird (und als solches wird das Werk von J. G. Rozen auf der Umschlagrückseite bezeichnet), besteht die Gefahr, daß andere, möglicherweise unkonventionelle, aber nicht weniger gut begründete Meinungen diskriminiert werden. Um Missverständnissen vorzubeugen: Es ist jedem unbenommen, sich Michener anzuschließen, doch können andere Auffassungen ebenso berechtigt sein und sollten daher respektiert werden, eine Haltung, die auch Michener selbst immer ausgezeichnet hat. Schließlich sind Gattungen im Gegensatz zu Populationen bzw. biologischen Arten keine natürlichen Einheiten, sondern ausschließlich von Menschen geschaffene, einer subjektiven Bewertung unterliegende Ordnungselemente.

Gro▀gattungen haben ihre Berechtigung

Weitere Argumente zu dieser Problematik finden sich in Schwarz et al. (1996). Im Konkreten halten Dathe und ich es für besser begründet oder zumindest gerechtfertigt, die Gattungen Chelostoma und Heriades mit Osmia sensu Schwarz et al. (1996: 117) zu vereinen und Anthophora sowie Eucera nicht weiter aufzutrennen. Die neueren Autoren unterscheiden bei den Osmiinae zwischen einer (Warncke 1986) und 10 Gattungen (van der Zanden 1988); immerhin sind sie sich über die Kategorie "Osmiinae" einig (vgl. Tab. 9, S. 118 in Schwarz et al. 1996). Bereits Schletterer (1889) beschreibt sehr ausführlich und anhand vieler Beispiele die wechselhafte Geschichte sowie die Problematik der Beurteilung und Unterscheidung von Heriades und Chelostoma, hält aber dennoch an beiden Gattungen fest, indem er sich auf die unterschiedliche Zahl von Kieferntastern (Maxillarpalpen) stützt. Ducke (1900: 5) äußert in seiner Monographie der Gattung Osmia, daß eine sichere Abgrenzung von Osmia gegenüber Heriades (= Eriades) nicht möglich sei, gleichwohl sähe er "vorläufig" noch von einer Vereinigung beider Gattungen ab. An Arten wie Osmia glutinosa und Osmia minutula (beide in Deutschland nicht vorkommend) läßt sich die Schwierigkeit einer klaren Zuordnung deutlich aufzeigen (vgl. Griswold & Parker 1987: 54). Bei den Osmiini sollte man demnach die phylogenetisch begründete Analyse abwarten, um eine wirkliche Entscheidungshilfe zu gewinnen und nicht nur Ansichten zu folgen.

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