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Polylektie

Definition: Arten, deren Weibchen sich beim Pollensammeln »opportunistisch« verhalten, also das jeweils vorhandene Blütenangebot in vielfältiger Weise nutzen, bezeichnet man als polylektisch.

Polylektische Arten kann man auch als Pollengeneralisten bezeichnen. Polylektie bedeutet aber nicht, daß die Blüten nach dem Zufallsprinzip aufgesucht werden. Auch polylektische Arten können Bevorzugungen bestimmter Pflanzen(gruppen) zeigen, andere hingegen völlig meiden, auch wenn diese im Überangebot vorhanden sind.

Lasioglossum albocinctum

Die in Deutschland nur im Kaiserstuhl vorkommende Schmalbienen-Art Lasioglossum albocinctum ist polylektisch. Das Foto zeigt ein Weibchen, das bereits morgens um 6.00 Uhr am Gewöhnlichen Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) Pollen sammelt. Das Sonnenröschen gehört zur Familie der Zistrosengewächse (Cistaceae).

Bei Bienen reicht das Spektrum von strenger Oligolektie bis hin zu ausgesprochener Polylektie, was die Ziehung einer klaren Trennlinie zwischen Polylektie und Oligolektie manchmal erschwert. Wenn an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten (Tages-)Zeit nur eine oder wenige Pflanzenarten blühen und daher das Angebot an Pollenquellen eingeschränkt ist, können die Weibchen einer sonst polylektischen Art dem Beobachter lokal Oligolektie vortäuschen. Daher müssen Untersuchungen zur Oligolektie möglichst viele, über das Gesamtverbreitungsgebiet einer Art verteilte Beobachtungsorte berücksichtigen.

Andrena flavipes an Isatis tinctoria

Ein Weibchen der Gelbfüßigen Sandbiene (Andrena flavipes) sammelt Pollen im Blütenstand des Färberwaids (Isatis tinctoria), eines Kreuzblütengewächses (Brassicaceae).


Apis mellifera

Die bekannteste polylektische Biene ist die Honigbiene (Apis mellifera). Sie ist sozusagen ein »Super-Generalist« und kann nicht als Maßstab für das Blütenbesuchsverhalten von Bienen gelten. Hier sammelt ein Arbeiterin Pollen im Blütenstand einer Edelkastanie (Castanea sativa), die zur Familie der Buchengewächse (Fagaceae) gehört.

Staatenbildende Bienen wie die Hummeln (Bombus) und manche Lasioglossum-Arten sind durchweg polylektisch. Während solitäre Bienen nur eine relativ kurze Flugzeit (4–12 Wochen) besitzen und von daher eine Bindung an eine oder wenige Pollenquellen sinnvoll sein kann, leben Kolonien sozialer Arten wesentlich länger. Ihre Flugzeit entspricht demnach nicht der Blühdauer einer als Pollenquelle genutzten Pflanzenart. Soziale Arten können sich daher Oligolektie nicht »leisten«.

Unter den Wildbienen gibt es ausgesprochene Pollengeneralisten wie z.B. die Mauerbiene Osmia bicornis, von der Vertreter von 18 Pflanzenfamilien als Pollenquellen belegt sind oder die Sandbiene Andrena flavipes, von der bisher Vertreter von 17 Pflanzenfamilien als Pollenquellen bekannt wurden. Auf alle nestbauenden Bienen bezogen überwiegt der Anteil der polylektischen Arten gegenüber den oligolektischen.

Lasioglossum albocinctum

Zwei Brutzellen der Mauerbienen-Art Osmia bicornis (= O. rufa). Der Larvenproviant der linken Zelle besteht aus dem hellgelben Pollen einer Heckenrose (Rosa hugonis) und dem dunkelgelben Pollen von Hahnenfuß (Ranunculus), Vertreter zweier Pflanzenfamilien.

Lasioglossum albocinctum

Der Larvenproviant der zweiten Zelle setzt sich aus dem Pollen von folgenden Vertretern von fünf Pflanzenfamilien zusammen: Saatmohn (Papaver dubium), Zaunwicke (Vicia sepium), Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens), Gewöhnlicher Beinwell (Symphytum officinale), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis). Der hohe Anteil von Mohnpollen ist für die dunkle Farbe des Proviants verantwortlich. Die Pollenherkunft wurde mit Hilfe der lichtmikroskopischen Pollenanalyse ermittelt.

 

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