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»Nisthilfen«, die nicht geeignet oder nicht zu empfehlen sind

Um eine optimale Besiedlung durch Wildbienen und verwandte Hautflügler zu erreichen, sollten die auf dieser und der Folgeseite gezeigten Fehler vermieden werden.


Insektenhotel

Gutgemeintes, aber wegen untauglicher Objekte (Baumscheiben, Lochziegel) und falscher Bohrungen (Hirnholz) unbesiedelbares »Insektenhotel«, das ich in der Nähe von Rastatt sah.

Sehr ungünstig wirken sich weit vorgezogene Dächer, die mit Ziegeln gedeckt sind, aus. Bei Sonnenhochstand beschatten sie das Wildbienenhaus bis zur Hälfte. Dadurch wird die Besiedlung im oberen Teil deutlich reduziert. Deshalb verwende ich grundsätzlich transparentes Material, z. B. Stegdoppelplatten für ein Gewächshaus.

Leider stehen solche Anlagen mittlerweile in ganz Deutschland und darüber hinaus, ohne jedoch das erhoffte Ziel, nämlich das einer befriedigenden Besiedlung durch Wildbienen, zu erreichen.*

Acrylglasröhrchen


Acrylglasröhrchen

Einige Firmen bieten ein sogenanntes »Insekten-Nisthaus für solitär lebende Insekten zur Beobachtung« an. Dieses Nisthaus enthält durchsichtige Acrylglasröhrchen (auch bekannt unter dem Markennamen Plexiglas®) und »garantiert Ihnen erholsame Beobachtungen«, so der Wortlaut des Begleittextes. Zwar lassen sich hierdurch tatsächlich Wildbienen und andere Besiedler bei ihren Aktivitäten im Röhrchen beobachten, doch besteht durch die Verwendung dieses wasserdampfundurchlässigen Materials stets die Gefahr der Verpilzung des Larvenfutters und damit des Absterbens der Brut. Dies geschieht nicht unmittelbar nach der Fertigstellung des Nestes, sondern erst einige Zeit später. Röhrchen, in denen noch die Eier oder sehr jungen Bienenlarven zu sehen sind, taugen daher nicht als Gegenbeweis. Außerdem erhitzen sich die Kunststoffröhrchen bei direkter Sonnenbestrahlung stark und die Larven sterben durch durch die große Hitze. Dies gilt insbesondere bei Arten, die mit Harz bauen (z.B. Löcherbiene Osmia truncorum). Solche Materialien sollten nur in besonderen Fällen und von erfahrenen Personen eingesetzt werden, z.B. zur Untersuchung des Nestbaus, der Eiablage oder Parasitierung. Bei der Verwendung von Acrylglasröhrchen für wissenschaftliche Untersuchungen sollte auf jeden Fall die hintere Öffnung mit Watte oder Schaumstoff verschlossen werden.

Solche Nisthilfen werden sogar für Kindergärten empfohlen. Verantworliche Erwachsene und nur solche mit großer Erfahrung setzen eine solche Beobachtungsmöglichkeit ein und auch nur in Ausnahmefällen und mit größter Zurückhaltung. Nur Röhrchen mit einem Durchmesser von 6–8 mm, wie sie von den beiden Mauerbienen-Arten Osmia bicornis und Osmia cornuta genutzt werden, können eventuell zur Beobachtung herangezogen werden, weil diese Bienen ihre Zellwände mit Lehm bauen, der einen besseren Gasaustausch ermöglicht. Röhrchen mit geringerem Durchmesser (3-5 mm) sollten keinesfalls verwendet werden, weil sie u.a. von Arten besiedelt werden, die Harz als Baumaterial verwenden. Hier besteht eine besonders große Gefahr der Verpilzung, was zum Absterben der Brut führt. Auf diesen Seiten sind genügend andere Möglichkeiten beschrieben, Kindern das Brutfürsorgeverhalten der Wildbienen näherzubringen, ohne daß deswegen Tiere sterben müssen.

Ein empfehlenswerter Beobachtungskasten ist auf dieser Seite mit Bezugsquelle abgebildet.

Acrylglasröhrchen oder Glasröhrchen sind als Nisthilfen nicht zu empfehlen, da sie luftundurchlässig sind und das sich bildende Kondenswasser den Nahrungsvorrat in den Brutzellen leicht verpilzen läßt.


Osmia-cornuta-Zellen im Acrylglasröhrchen

Ein Plexiglasröhrchen mit zwei Brutzellen und Eiern der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) kurz nach der Fertigstellung.

Osmia-cornuta-Zellen mit Schimmel

Verschimmelte Brutzellen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) in einem Acrylglasröhrchen eine Woche nach der Fertigstellung.


Falsche Vorgehensweise


Stirnholzbohrung

Verwendet man nicht ausreichend getrocknetes Holz oder setzt die Bohrgänge zu dicht, dann kommt es zu Rissen wie auf diesem Bild, die viele Bohrgänge unbesiedelbar machen. Allzu leicht könnten durch die Risse Parasiten eindringen. Gespaltene Gänge nehmen die Wildbienenweibchen nicht an. Unversehrt gebliebene Bohrungen und nur diese werden mitunter angenommen, meistens von der Rostroten Mauerbiene oder der Hahnenfuß-Scherenbiene (je nach Durchmesser). Dies heißt aber nicht, daß ich das Bohren ins Hirnholz empfehle! Das Artenspektrum bleibt nämlich auch dann sehr gering. Verwendet man Baumscheiben aus gut abgelagerter Robinie oder Eiche (sehr hart!) und setzt die Gänge mit 1,5–2 cm Abstand, werden sie unter Umständen ebenfalls von Mauer- oder Scherenbienen genutzt.

Einer der häufigsten Fehler bei der Herstellung von »Nisthilfen« für Hohlraumbesiedler ist das Bohren in das Stirnholz, wie es das hier gezeigte Beispiel zeigt. Besonders nachteilig ist die Verwendung von Scheiben aus frisch geschlagenem Holz.

Ungeeignete Materialien


Fichtenholz

Hier wurde mit Fichtenholz nicht nur eine ungeeignete Holzart verwendet, sondern auch versäumt, glatte Bohrungen zu setzen. Solche Objekte bleiben unbesiedelt. Schließlich bergen querstehende Holzfasern für die empfindlichen Flügel der Bienen eine erhebliche Gefahr. Ein eingerissener Flügel bedeutet aber den sicheren Tod.

Markhaltige Stengel

Dürre markhaltige Stengel in waaagrecht gelagerten Bündeln im Wildbienenhaus anzubieten, ist nicht sinnvoll, weil die Besiedler in der Natur sich vor allem vertikale, einzeln und frei stehende Stengel suchen.

Nur sehr vereinzelt kommt es nur Nutzung eines waagrecht gelagerten Stengels, z. B. durch eine Maskenbiene (Hylaeus) oder Grabwespe (Pemphredon). Bei vertikaler Orientierung im Freien erweist sich Holunder im Vergleich mit Brombeere als nicht, aber zumindest als deutlich schlechter besiedelt.

Lochziegel und Gasbetonsteine (»Ytong«)


Lochziegel

Die Öffnungen von Lochziegeln oder Hohlziegeln, wie sie für den Hausbau Verwendung finden, sind viel zu groß. Sie können höchstens der Aufnahme von Bambusröhrchen dienen (Beispiel auf dieser Seite).

Unverständlicherweise wurden solche Lochziegel in vielen sogenannten »Wildbienenhotels«, die mir als Belegfoto zugeschickt wurden, eingebaut. In solchen Fällen haben ihre Erbauer, wie mir berichtet wurde, ihre Informationen leider von Internetseiten bezogen, die nicht von großer Sachkenntnis zeugen (hierzu gehören z. B. leider auch manche Seiten der großen Naturschutzverbände).

Gasbetonsteine (»Ytong«) und ähnliche Materialien eignen sich ebenfalls nicht, weil sie dazu neigen, Wasser aufzunehmen.

Steilwände aus hartem Lehm oder Ton


Wildbienen, die in natürlichen Steilwänden nisten, sind meistens solche, die ihr Nest selbst graben. Deshalb muß das Sediment (Sand, Löß) weich genug sein, daß das Bienenweibchen einen Hohlraum graben kann, andererseits aber auch fest genug, damit der Hohlraum nicht in sich zusammenfällt. Allzuoft wird beim Bau von Steilwänden zur Förderung von Wildbienen (z.B. Weidenruten-Lehmwände) der Fehler gemacht, fetten Lehm oder Ton zu nehmen, der nach dem Trocknen viel zu hart wird und deshalb den grabenden Wildbienen nichts nützt. Werden dann Löcher hineingedrückt, können diese nur von Hohlraumbesiedlern genutzt werden, aber für diese Arten gibt es weitaus geeignetere Nisthilfen. Steht kein Lößlehm zur Verfügung, dann sollte man lieber auf diese Art der Nisthilfe verzichten und andere Möglichkeiten wahrnehmen.

lehmkasten_ungeeignete_nisthilfe

Dieses Beispiel zeigt anschaulich, daß der Hersteller dieser mit sehr tonigem Lehm gefüllten und vertikal orientierten Kiste nicht an die Ansprüche der Besiedler gedacht hat. Die Prüfung des verwendeten Materials ergab eine viel zu große Härte. Eventuell werden die größeren Löcher von Hohlraumbesiedlern wie Osmia bicornis angenommen. Die vielen kleinen Löcher sind aber völlig wertlos. Grabende Arten, und um die sollte es bei einer solchen Nisthilfe eigentlich gehen, haben hier keine Chance.

Schneckenhäuser im Wildbienenhaus?


Untaugliche Nisthilfe

Hier wurden Gehäuse der Weinbergschnecke hinter ein Holzgitter gelegt in der irrigen Annahme, hier würden schneckenhausbewohnende Wildbienen nisten.

Leere Schneckenhäuser

Leere Gehäuse der Weinbergschnecke in einem Wildbienenhaus: ein völlig ungeeigneter Platz, um Wildbienen wie Osmia bicolor oder Osmia aurulenta zu fördern. Man kann aber durchaus leere Häuser von Schnirkelschnecken oder Weinbergschnecken im Steingarten verteilen, am besten unter hohlaufliegenden Steinen. In kalkreichen Regionen, in denen z. B. Osmia bicolor in Ortsnähe natürlicherweise vorkommt, nutzt die Art bisweilen diese Nistgelegenheit.

Völlig unsinnig sind leere Schneckenhäuser in einem Wildbienenhaus (oder »Insektenhotel«), wie ich es vielfach gesehen habe. Die in Schneckengehäusern nistenden Mauerbienen würden niemals an solchen Stellen nach einer Nistmöglichkeit suchen. Sie nisten an ganz anderen Stellen (Waldränder, Schutthalden, Trockenrasen). In Kalkgebieten tritt hin und wieder die Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene (Osmia bicolor) auf, dann aber in der Regel im Steingarten und nicht bei den Nisthilfen für Hohlraumbewohner.

 

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* Literaturhinweis:

Eine wissenschaftliche Untersuchung, die 2014 in Berlin und Nordost-Brandenburg durchgeführt wurde, hat die hier dargestellten Fehler bestätigt und gezeigt, daß »das bisherige Expertenwissen« beim Bau von Nisthilfen kaum Berücksichtigung findet. Von 40 untersuchten Nisthilfen wiesen nur drei (7%) eine gute Besiedelbarkeit auf und 13 (30%) eine eingeschränkte.

Prell, S., Burmeister, K. & Schulz, U. (2915): Fehleranalysen und Optimierungsmöglichkeiten an Nisthilfen für Wildbienen - Erkenntnisse aus Literaturrecherchen und empirischen Untersuchungen. - Mtt. Dtsch. Ges. Allg. Angew. Ent. 20: 179-182.